
Ein-Personen-Haushalte im Fokus: Zwei Personen berichten aus ihrem Alltag
Ein-Personen-Haushalte sind die am stärksten wachsende Haushaltsform – besonders auch im Burgenland. Gleichzeitig sind sie strukturell benachteiligt: Sie tragen alle Fixkosten allein, haben pro Kopf höhere Wohn- und Energiekosten und müssen alltägliche Anforderungen ohne geteilte Ressourcen bewältigen. Trotzdem kommt diese Gruppe im öffentlichen Diskurs kaum vor. Politik und Forschung sprechen selten konkret über ihre Lebensrealität, ihre finanzielle Situation oder die Belastungen, die entstehen, wenn man alles allein tragen muss.
Im Interview mit zwei Personen, die alleine in einem Haushalt leben und die Kosten dafür nicht teilen können, werden Einblicke gewonnen, welche Schwierigkeiten dieser Gruppe gegenüberstehen. Beide Personen wollen anonym bleiben, da es sich um eine sehr persönliche Angelegenheit handelt und die Privatsphäre gewahrt werden soll.
Person A ist als Fachkraft im Dienstleistungssektor tätig und hat daher ein durchschnittlich niedrigeres Einkommen zur Verfügung. Person B arbeitet im gehobeneren Dienst des Gesundheitsbereiches und verfügt über ein etwas höheres Einkommen.

Wie erlebst du das? Gibt es Situationen, in denen du das Gefühl hast, dass die Perspektive von Ein-Personen-Haushalten zu wenig Gehör findet oder kaum thematisiert wird?
Interviewpartnerin A: In den Medien wird kaum die Situation dieser Personengruppe angesprochen, also zumindest bekomme ich davon nichts mit. Also ja, diese Schwierigkeit wird in der Allgemeinheit kaum thematisiert.
Interviewpartnerin B: Auch ich habe das Gefühl, dass dieses Thema in der Gesellschaft und auch in der Politik kein Gehört findet und überhaupt nicht thematisiert wird.
Wo erlebst du im Alltag die größten Herausforderungen – sei es finanziell, organisatorisch oder mental?
A: Die größten Herausforderungen sind für mich, dass ich finanziell für alles alleine aufkommen muss. Zusätzlich lasten die gesamten organisatorischen Tätigkeiten auch nur auf meinen Schultern. Ich muss alle Einkäufe sowie Termine bezüglich der Wohnung selbstständig organisieren und wahrnehmen. Als Beispiel: Ich muss teilweise Urlaubstage dafür opfern, wenn Termine für die Wohnung anfallen, ich kann hier auf keine weitere Person zurückgreifen. Dies ist in weiterer Folge dann natürlich auch manchmal mental für mich belastend, wenn ich für alles alleine geradestehen muss.
B: Natürlich ist es auch für mich eine extreme Herausforderung. Angesichts der Tatsache, dass ständig alles teurer wird, ist es enorm, dass nur eine Person für alle Kosten alleine aufkommen muss. Wenn man alleine wohnt, muss halt auch alles selbstständig organisiert werden. Wenn man einmal nicht kann oder eventuell krank ist, muss man sich Unterstützung suchen. Das bringt mich teilweise in herausfordernden Situationen schon an meine Grenzen, auch mental.
Abgesehen von der enormen finanziellen Belastung – wie organisiert du deinen Haushalt alleine neben der Erwerbsarbeit?
B: Wenn man alleine lebt, braucht man gewiss ein gutes Zeitmanagement. Gefühlt muss jede freie Minute etwas getan werden, sei es der Haushalt, Erledigungen, Einkäufe etc.
A: Ich versuche alles an meinem freien Tag unterzubekommen, das ist montags. Wenn ich das nicht schaffe, dann muss ich teilweise auch noch nach der Arbeit all diese Dinge erledigen.

Wie haben dich die Preissteigerungen der letzten Jahre konkret getroffen? Hohe Wohn- und Energiekosten treffen Ein-Personen-Haushalte besonders stark: Welche Rolle spielt Wohnen in deinem Budget – und was bedeutet es für dich, Fixkosten allein tragen zu müssen?
A: Es ist enorm schwer das alles alleine zu tragen. Die Fixkosten sind schon sehr hoch, so muss etwa die Hälfte meines Einkommens für die Wohnkosten hergenommen werden. Und hier spreche ich rein vom Wohnen, ohne Versicherungen, Auto (das für die Arbeit benötigt wird) und Lebensmittel.
B: Auch bei mir geht fast die Hälfte des Budgets für Wohnen drauf, die zweite Hälfte für Versicherungen, Lebensmittel, Auto etc. Hier bleibt kaum Geld für „Luxus“ übrig, wie etwa Urlaube. Man merkt in den letzten Jahren, dass die Preissteigerungen dazu geführt haben, dass ich einfach weniger Geld zum Sparen zur Verfügung habe. Auch bei den Hobbys musste ich mich einschränken, da es teilweise knapp wird.
Gibt es Routinen, Tricks oder Aha-Momente, die dir helfen, den Alltag allein gut zu organisieren oder finanziell den Überblick zu behalten?
B: Ein gutes Zeitmanagement ist hier einfach notwendig, damit man alles unter einen Hut bekommt. Auch gute soziale Kontakte, damit man Unterstützung zumindest bei manchen organisatorischen Dingen hat, sind auch unabkömmlich. Des Weiteren empfehle ich auch ein Haushaltsbuch zu führen, das hilft den Überblick zu bewahren.
A: Auch ich versuche meine freie Zeit gut einzuteilen und führe ein Kassabuch, damit ich die Ausgaben auf einen Blick sehe.
Was hat sich für dich bewährt – und was würdest du anderen Alleinlebenden als Tipp mitgeben?
B: Man muss auf jeden Fall gut kalkulieren können, alles genau überdenken und sich die Frage stellen was wirklich nötig ist. Wenn man alleine lebt, muss man solche Entscheidungen immer gut reflektieren.
A: Für mich hat sich nur bewährt, dass ich sparsam lebe. Es ist enorm wichtig zu hinterfragen, was wirklich notwendig ist, ob ich denn das jetzt unbedingt brauche.

Welche Unterstützung – finanziell, sozial oder organisatorisch – hilft dir aktuell wirklich? Was müsste sich deiner Meinung nach politisch oder gesellschaftlich ändern, um Ein-Personen-Haushalte stärker zu entlasten?
A: Das einzige was mir momentan hilft ist die Arbeitnehmer:innenveranlagung und das Trinkgeld, dass ich in der Arbeit bekomme.
B: Finanziell hilft mir die Arbeitnehmer:innenveranlagung, sozial meine Eltern und Familie und organisatorisch kann ich mir nur selbst mit einem guten Zeitmanagement helfen. Ich würde der Gesellschaft gerne mitgeben, dass sie dieses Thema einmal wahrnehmen und darüber nachdenken, dass sich diese Personen nicht immer aussuchen, alleine zu leben.
A: Ich wäre für die Einführung von Förderungen und Hilfestellungen für alle Menschen, nicht z.B. nur in Kombination mit anderen Voraussetzungen wie Kinder etc.
Kennst du dich in der Landschaft der Förderungen aus? Hast du welche (in der Vergangenheit) in Anspruch genommen? Wenn ja, wie leicht oder schwierig war die Antragstellung/Auszahlung/Prozedere?
A: Nein, ich kenne mich nicht aus und habe daher noch nichts in Anspruch genommen.
B: Auch ich kenne mich bei dieser Thematik nicht aus. Meines Wissens wird aber seitens der Politik nichts veröffentlich, wo man nachschauen könnte und wo man sich wirklich Hilfe holen könnte.
Welche positiven Seiten hat das Alleinleben für dich – oder was schätzt du besonders daran?
B: Natürlich muss man, wenn man alleine lebt, keine Absprachen treffen, man ist niemandem eine Rechtfertigung schuldig, es ist schon ein selbstbestimmtes Leben. Man ist dadurch spontaner, unabhängiger und kann seine Freiheit genießen und hat vollste Entscheidungsfreiheit über sich und sein Leben.
A: Man kann einfach tun und lassen was man will und nur das tun, was einem Spaß macht. Und dabei muss man dann auch auf niemanden Rücksicht nehmen.

Hast du eine eigene Community mit der du dich auch über Tipps und Tricks austauschen kannst? Würdest du dir Plattformen zum Vernetzen wünschen?
A: Nein, ich habe keine Community mit der ich mich über Tipps und Tricks austauschen kann, würde mir das aber sehr wünschen, um mich besser vernetzen zu können.
B: Ich würde auch begrüßen, dass es Plattformen im Bezug zu Förderungen oder Boni gibt, wo man sich Infos einholen kann. Deshalb finde ich auch die Infothek sehr gut. Wünschen würde ich mir noch gesellschaftliches Gehör für unsere Gruppe und dass sie Menschen ein bisschen sensibilisiert werden. Nicht jeder Mensch sucht sich automatisch das „alleine Leben“ aus. Bei den Förderungen hätte ich z.B. bei den Heizkostenzuschüssen einen Vorschlag: Hier würde ich den gleichen Zuschuss gewähren, egal ob eine oder vier Personen im Haushalt leben, denn alle brauchen es warm und sollten dieselben Standards genießen dürfen. Für meine Community kann ich nur die Tipps mitgeben, dass sie sich ein gutes Zeitmanagement zu legen sollten, strukturiert Leben und damit dann auch einen finanziellen Überblick bewahren können und dass man für sich vorausschauend plant.
Leitfaden Ein-Personen-Haushalte:
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Leitfaden Ein-Personen-Haushalte
Im Interview bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wie schwer es oft ist alleine zu leben und für alles eigens verantwortlich zu sein. Mit unserem Leitfaden soll Personen, die alleine in einem Haushalt leben, geholfen werden an den richtigen Stellen nachzufragen und sich besser vernetzten zu können, sowie gesellschaftliches Gehör für ihre Situation zu bekommen. Mehr Informationen finden Sie hier.

